Marc Desgrandchamps

Texte

„Marc Desgrandchamps ist sicherlich einer der wichtigsten Vertreter der französischen Kunstszene. Trotz ihrer Fortentwicklung besitzen seine Arbeiten einen eindeutigen Wiedererkennungswert. Ausgehend von der alten Metapher des zur Welt hin geöffneten Fensters haben seine Sujets an Vielfalt gewonnen, obschon es schwierig ist, sie im Einzelnen zu benennen. Die Bilder tragen im Übrigen keine Titel. Während sie sich seit ungefähr zwanzig Jahren vorrangig auf Film und Fotografie stützen, dienten anfänglich Gemälde alter und neuerer Meister als Referenz. Das Spektrum reichte von Poussin über Beckmann und bis zum späten Malewitsch und wurde schließlich von Einzelbildern aus Filmsequenzen, im Urlaub aufgenommenen Schnappschüssen oder Bildern aus der Presse überlagert. Durch ihren im Wesentlichen figürlichen und realistischen Charakter bleiben Desgrandchamps' Arbeiten dem Prinzip der Wanderung der Formen, wie es von Warburg aufgezeigt worden ist, verhaftet. Eine weibliche Figur, in der Bewegung begriffen, erinnert an ein antikes Relief oder eine Figur auf einer Vase. Diese beinahe akademischen Bezüge auf die Kunst der Vergangenheit werden um filmische Erinnerungen, Urlaubsfotos und zweifellos auch Kindheitserinnerungen erweitert. Der Darstellungsprozess hat im Laufe der Jahre an Komplexität gewonnen. Hinzu kamen phasenweise technische Veränderungen, die neue Sujets mit sich brachten. Durch die kontinuierliche Arbeit im Atelier ist es Desgrandchamps so gelungen, eine Schneise zu öffnen und zu zeigen, dass der Realismus seiner Bilder und die Darstellung des Traums sich keinesfalls widersprechen. [...] Desgrandchamps' Bilder sind wie Gleichungen aufgebaut. Sie zeigen das, was man in der Erinnerung, und nicht in der Wirklichkeit, sehen könnte. Der Realismus ist lediglich vorgetäuscht."
(Fabrice Hergott in: Weiße Schatten, Ausst.-Kat. Marc Desgrandchamps – Palindromes, EIGEN + ART Lab, Berlin 2012)

Marc Desgrandchamps, geboren 1960, lebt und arbeitet in Lyon. Seine Werke wurden in zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen präsentiert, u. a. in der Fondation Salomon (2013), im Musée d’Art Moderne, Paris (2011), in der Dialogue Space Gallery, Peking (2011), im Musée Baron Martin, Gray (2007), in der Kunsthalle Budapest (2005), im Muzeul National de Arta al Romaniei, Bukarest (2005), im Musée d’art Contemporain, Lyon (2004), im Musée de l’Abbaye Sainte-Croix, Les Sables d’Olonnes (2004) und im Centre George Pompidou (1995).

Communiqué de presse_2014