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Jörg Herold
Der Dokumentararchäologe auf der Suche nach dem Himmelreich der Schlesier
Galerie EIGEN + ART Leipzig
3. Mai – 23. August, 2014
Eröffnung: 3. Mai 2014, 11 – 21 Uhr

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In seiner Funktion als Dokumentararchäologe, wie Jörg Herold sich selbst nennt, verfolgt der Künstler Mechanismen des Gedenkens, Sicherns, Speicherns und Recherchierens. Als Ergebnis von Reisen zu realen und imaginären Orten der Erinnerung entstehen Aktionen, Filme, Installationen und Zeichnungen, die den Fokus auf das kulturelle Gedächtnis und das Erstellen historischer Querbezüge legen.

„Im Herbst 2013 begab ich mich als Dokumentararchäologe auf die Suche nach dem Himmelreich der Schlesier. In Bildern, Texten und Gesprächen sammelte ich alles Greifbare und Imaginäre von einem Land, welches heute ohne Grenzen existiert.

Schlesien, gleich preußisch, polnisch, deutsch und tschechisch, viele hundert Jahre alt. Heimat nannte es jeder.

Schlesien als Teil deutscher Geschichte ist Vergangenheit. Doch als Fanal im Geiste seiner ehemaligen Bewohner noch lebendig. Gespeist aus alltäglichen Erinnerungen und Taten übermenschlicher Helden und geistiger Eliten. Hier pflügte der redliche Bauer die schwere Erde und förderte der stolze Bergmann aus tiefsten Tiefen das edle Metall. Strotzten die Tiere vor Kraft, gaben die Kühe fettigste Milch und das Gelbe vom Ei strahlte im satten Gelb. Natur, die nirgends grüner, dessen Gras duftender, dessen Wasser klarer und deren Berge strahlende Kulisse für spektakuläre Sonnenläufe sind.

Das sind die Erzählungen des Vergangenen. Neuere Geschichten erzählen von Flucht und Vertreibung, Zerstörung und Verfall. Neue Menschen kümmern sich halbherzig um Hinterlassenes. Jahrhunderte lang gewachsene Patina auf Gebäuden – ideologisch verblendet und Hochdruck gereinigt. Sie liegen kalt und ohne Spuren von Zeit inmitten von Neubaugebieten. Trostlose Landschaften, trostloses Erbe.

An diesen Orten erzählt Rübezahl, der Herr der Berge und Höhlen, keine neuen Geschichten. Steht nur noch steif und stumm in Stahl gewalzt herum.

Ein wichtiger Held für den Schlesier ist sprachlos. Der einstige, vor Kraft strotzende Riese ward unsichtbar.

Auf über hundert Motiven, ausgeschnitten aus Erinnerungsalben, überarbeitet und wie Merkzettel an die Galeriewände gepinnt, erahnt man den vergangenen Reichtum sinnlicher Welten und spürt die Anwesenheit einer ewig, magischen Kraft. Kleine Blitze und Schatten wischen Farbe über das Bild. Unschärfe entwickelt sich zur Spur, zur Form, zu Figuren, die nur warten, mit neuer Energie und Geschichte vom Betrachter beladen zu werden. So erfindet sich dieses Schlesien immer und immer wieder neu – in Ewigkeit existierend als Erinnerung an die Erinnerungen." (Jörg Herold)

Jörg Herold (geboren 1965 in Leipzig) studierte Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst sowie an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin. Seine Arbeiten waren in verschiedenen Einzelausstellungen in Museen und Kunstvereinen zu sehen: u.a. 1999 im Museum der bildenden Künste Leipzig, 2000 im Von der Heydt-Museum Wuppertal und im Staatlichen Museum Schwerin sowie 2005 in der Galerie der Stadt Wolfsburg und dem Kunstverein Bielefeld. Anlässlich der Verleihung des Kunstpreises „Junge Stadt sieht junge Kunst" widmete die Städtische Galerie der Stadt Wolfsburg Jörg Herold im Jahr 2005 eine Einzelausstellung, zu der eine umfangreichste Monografie seines Werkes erschienen ist. Jörg Herold nahm außerdem an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland teil: u.a. an der Biennale in Venedig (1995), an der documenta X in Kassel (1997), an Ausstellungen zu 40 Jahren Videokunst im Museum der bildenden Künste Leipzig, im ZKM Karlsruhe und im Ludwig Forum Aachen (2006, 2009), 2012 in Südkorea im Seong-nam Art Center und in der Berlinischen Galerie. Für seine künstlerische Arbeit reiste er u.a. nach Georgien, Japan, Südostasien, nach Island und in die Ukraine.

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