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Mirjam Völker
28. Januar 2014 - 1. Februar 2014
Eröffnung: Dienstag 28.1. 2014, 17-21 Uhr

Zu den Arbeiten von Mirjam Völker

Die Arbeiten von Mirjam Völker zeigen Behausungen – Hütten, Wohnwagen, Führerkabinen, Baumhäuser. Behausungen können Refugien sein, Zufluchtsstätten und Rückzugsräume. Bestenfalls sind sie Orte der Sicherheit und gewähren dem Schutzlosen Obdach vor Witterung und Übergriffen von Außen. Die dürftigen, verwitterten und verfallenden Behausungen in Mirjam Völkers Arbeiten scheinen diesem Zweck gänzlich zu verfehlen. Wie Fremdkörper sind mitten in die Natur platziert; leer und verlassen werden sie vom Dickicht überwuchert. Unheimelig und kaputt bieten diese Unterkünfte Zeichen von Unbehagen und Fragilität statt Geborgenheit und Wärme.

Gebaute Raumkonstrukte und ungezähmter Naturraum stehen sich in ihren Arbeiten in einem durch Abgrenzung und Durchdringung gekennzeichneten Verhältnis gegenüber. Dabei sind die Eingriffe gegenseitig: Das Urbane stößt in unkultiviertes Terrain vor und das wuchernde Gebüsch erobert sich allmählich den Raum zurück.

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Auch wenn auf Völkers Bildern keine Menschen zu sehen sind, tragen die ehemaligen Refugien Spuren ehemaliger oder aktueller Bewohner, etwa wenn hinter den zugezogenen Vorhängen eines Wohnwagens unverkennbar das Licht brennt. Doch was dahinter geschieht, bleibt dem Betrachter vorenthalten. Die Anwesenheit von etwas Verborgenem ist spürbar und bleibt doch eine bloße, unbehagliche Vermutung.

 In ihren neuen großformatigen Papierarbeiten sind es provisorische Holzhütten, die auf wackeligen Stelzen in einem Geflecht aus Ästen ohne festen Boden stehen. Nur über lange dünne Leitern erreichbar, versprechen sie aufgrund ihres großen Abstands zum Boden Schutz vor natürlichen Bedrohungen oder Eindringlingen, doch gleichzeitig werden ihnen die langen Beine zum Verhängnis. Auf dem aufgeschütteten Boden oder dem trockenen Ästen, die ihnen als Fundament dienen, können sie keinen stabilen Stand garantieren, nur angelehnt an verdorrte Bäume geraten sie in eine bedrohliche Schieflage, bis hin zum Sturz.

Doch wen bringen sie zu Fall, für wen wurden sie gebaut? Ihre Bauweise wirkt provisorisch, zusammengezimmert aus Holz, Wellblech, Planen und Zivilisationsmüll können sie den Unwägbarkeiten der Natur nur schwer standhalten. Durch ihre erhöhte Lage werden die Hütten zu Beobachtungsposten. Es gibt keine Türen, doch hinter Schlitzen, Klappen und vergitterten Fenstern vermutet man Blicke, die ihre Umgebung ins Visier nehmen.

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Während auf der Arbeit „zu Fall“ eine Hütte rücklings ins Leere kippt, in ein dunkles Gewässer, in dessen Uferböschung sie sich verheddert, ist in „Bruchstelle“ ein Helikopter angestürzt. Das grelle Scheinwerferlicht lässt eine einen Tatort, einen Bergungsversuch oder eine Überwachung denken. Ohne das Geschehen aufzuklären exponieren die starken Lichtquellen die nächtliche Szenerie. Durch ein aufgespanntes Tuch, auf dem sich das Schauspiel schemenhaft abzeichnet, wird der Absturz zusätzlich verdeckt. Der Betrachter gehört nicht zum Kreis der Eingeweihten, wird nur indirekt Zeuge des Geschehens – Das Geheimnis bleibt gehütet.

Mirjam Völker (geboren 1977 in Wiesbaden) studierte an der Akademie für Bildende Künste, Johannes-Gutenberg Universität Mainz und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Von 2008 bis 2010 war sie Meisterschülerin bei Neo Rauch. Sie lebt und arbeitet in Leipzig.



TAKE FIVE
5 Wochen, 5 Künstler, 5 Ausstellungen
Galerie EIGEN + ART Berlin

Mit TAKE FIVE zeigt die Galerie EIGEN + ART Berlin ab dem 14. Januar 2014 über fünf Wochen fünf Ausstellungen von fünf jungen Künstlern.

Die Ausstellungen werden wöchentlich am Dienstag von 17-21 Uhr eröffnet und sind jeweils bis Samstag zu sehen. Jeder der fünf Künstler hat hierfür neue Arbeiten entwickelt. Mit Arbeiten, die von Skulpturen über Malerei, Zeichnung bis zu Rauminstallationen reichen, wird die Galerie so für die Dauer von fünf Wochen zum Schauplatz eines abwechslungsreichen Ausstellungsprogramms:
Melora Kuhn und Lada Nakonechna waren bereits mit Ausstellungen im EIGEN+ART Lab zu sehen; Mirjam Völker, Kristina Schuldt und Kai Schiemenz waren in Gruppenausstellungen in der Berliner und Leipziger Galerie vertreten

Kai Schiemenz
14. Januar 2014 - 18. Januar 2014 
Eröffnung: Dienstag 14.1. 2014, 17-21 Uhr

Kai Schiemenz (*1966 in Erfurt, lebt und arbeitet in Berlin) beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit Stadt, Raum und Architektur und der regulierenden Funktion, welche diese Konstrukte auf den Menschen ausüben. Seine kleinformatigen Skulpturen sind in sich geschlossene Gebilde, in denen er digitale Techniken mit natürlich Materialien wie Holz oder Papier kombiniert. Gleichzeitig fungieren sie als Modelle für raumfüllende Installationen und Architekturen für den Außen- und Innenraum, in denen Schiemenz über Blickachsen Räume konstruiert, die den Betrachter aufgrund Ihrer Durchlässigkeit direkt mit einbeziehen. Im Zentrum steht immer wieder die Frage nach dem Einfluss von gebauter Umwelt und urbanen Landschaften auf den Menschen. In seiner Einzelausstellung zeigt Schiemenz zwei neue Werkgruppen, in denen der Architekturbegriff sich mehr und mehr auflöst und die artifizielle Materialität der Oberflächen in den Vordergrund rückt.

Zu den Arbeiten von Kai Schiemenz 

Melora Kuhn
21. Januar 2014 - 25. Januar 2014
Eröffnung: Dienstag 21.1. 2014, 17-21 Uhr

Die Arbeiten von Melora Kuhn (*1971 in Boston, lebt und arbeitet in New York) sind eine stetige Beobachtung der Erfahrungen, die Menschen mit sich selbst und in der Gesellschaft machen. Kuhn bedient sich der Bildsprache von Mythologien und Geschichte, insbesondere der Bildformen der amerikanischen Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts, aus der sie einzelne Bilder isoliert und in einen neuen Kontext setzt. Dabei gilt ihr Interesse den Details, die in der Erzählung vergessen oder ausgelassen wurden, um so eine fest determinierte und bekannte Geschichte in eine andere Richtung zu führen und den persönlichen Biografien der Protagonisten in ihren Bildern eine neue Lesbarkeit einzuschreiben, indem sie mit dem Hintergrund den Seelenzustand der Personen andeutet oder durch eine zweite, über dem Porträt liegenden Umrisszeichnung, eine zweite Narration hinzufügt. In ihrer Ausstellung zeigt sie neue Malereien. 

Zu den Arbeiten von Melora Kuhn

Lada Nakonechna
11. Februar 2014 - 15. Februar 2014
Eröffnung: Dienstag 11.2. 2014, 17-21 Uhr

Lada Nakonechna (*1981 in Dnipropetrovsk, Ukraine lebt und arbeitet in Kiew) konfrontiert den Betrachter in ihren Zeichnungen, Installationen, Videos und Performances mit Bildern des aktuellen Zeitgeschehens und Bilderfahrungen aus dem kollektiven Gedächtnis, die sie manipuliert oder verfremdet. Häufig lässt sie dabei den Mensch in Form des Betrachters selbst zum manipulativen Störfaktor werden, der ein vorgegebenes Bild beeinflusst und verändert.

Für ihre Ausstellung platziert Nakonechna einen Turm in der Mitte des Galerieraums, der wie ein Leuchtturm oder Wachturm einen Lichtkegel auf die umliegenden Wände wirft. Um die Texte entziffern zu können, die auf den Wänden notiert sind, steht der Betrachter sich ständig selbst im Licht, wird geblendet und ertappt und muss sich mit dem Licht bewegen, um alles erfassen zu können. Der Leuchtturm ist eigentlich Symbol für einen stabilen Halt, einen Hoffnungsschimmer in der Ferne, an dem man sich orientiert, wenn man vom Weg abgekommen ist. Doch wo kann er hinführen, wenn das Licht von vier hohen Wänden in einem leeren Raum eingeschlossen wird?

Zu den Arbeiten von Lada Nakonechna

Kristina Schuldt
18. Februar 2014 - 22. Februar 2014
Eröffnung: Dienstag 18.2. 2014, 17-21 Uhr

Auf den Bildern von Kristina Schuldt (*1982 in Moskau, lebt und arbeitet in Leipzig) liegen, fallen, räkeln, verbiegen sich gesichtslose Frauenkörper, zweidimensional und tubisch. Sie gleichen dabei eher glatt polierten Maschinen als lebenden Wesen. Kristina Schuldt bedient sich ohne Scheu bei Bildformen der Klassischen Moderne, doch schafft sie etwa aus den Wellenhaaren eines Fernand Légers und den kräftigen schematisierten Körper, die an avantgardistische Bilder der 20er Jahre denken lassen, eine eigene und neue Bildsprache. Ihre Figuren setzt sie einer grellen Partybeleuchtung aus und verpasst ihnen mit ihren Zigaretten und Miniröcken eine Lässigkeit und Coolness, die eher an Teenies als an gestandene starke Frauen denken lässt. Während die Figuren und ihre Extremitäten in den früheren Bildern „hingelangweilt" ihrer Lage unterworfen waren, kommt in den neuen Arbeiten in der Ausstellung ein zunehmendes Bewusstsein von Moral ins Spiel, dass sich in den Körpern spiegelt.

Zu den Arbeiten von Kristina Schuldt

 

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