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Am Bild arbeiten heißt, das Verborgene suchen, das,
was jenseits der Sprache liegt. Wie der Moment, in dem man ein Buch zuschlägt
und das Gelesene in der Hand aufwiegt. So ist Skulptur. Da stehen weniger
die Fakten vor Augen, als das, was die Geschichte in einem bewirkt.
In der Ausstellung liebe Hölle zeige ich Skulpturen von 2007 und
2008. Wieder dreht sich alles um die Verbindung von Archaischem und Zeitgemäßem
und das Verhältnis von Mensch und Welt. War in meinen früheren
Skulpturen das Aufeinandertreffen der Gegensätze offensichtlich,
fallen sie in den neuen Arbeiten in einem einzigen Gegenüber zusammen.
Etwas wie die gleichgültige Kraft und Anmut der brutalen Existenz
Natur. „Wir sind Leben inmitten von Leben, das leben will.“
sagte Albert Schweitzer. Liebe Hölle. Glück und Hass. Die existentiellen
Fragen sind immer dabei. Der Schrecken macht das Schöne noch wertvoller.
Das Grauen als Katalysator des Glücks. Wir wünschen uns die
Hölle aus der Welt, aber wissen gleichzeitig, dass sie bedingungslos
zu uns gehört.
In der Ausstellung sind überlebensgroße Bronzen, die Berserker,
zu sehen und das Relief sieben 100 Millionen.
BERSERKER
Als Berserker wird in mittelalterlich, skandinavischen Quellen ein im
Rausch Kämpfender bezeichnet, der keine Wunden oder Schmerzen mehr
wahrnimmt.
Der Titel ist auch eine Setzung. Berserker sind Legende und Berserker
sein ist Wirklichkeit. Es geht schließlich um den tobenden Wahnsinn,
der in uns wacht. Um die Suche nach dem Ausnahmezustand und den Willen
Grenzen zu sprengen. Maß- und rücksichtslose Methoden auf der
einen Seite und der Wunsch nach einem Leben ohne Zwänge auf der anderen.
Der Begriff Berserker birgt sowohl das sinnlose und funktionalisierbare
Wüten, als auch die Fähigkeit sich für etwas aufzugeben,
für etwas zu kämpfen. Die Kraft der totalen Sehnsucht und die
Fähigkeit, die Angst vor dem Tod zu besiegen.
Die Plastiken selbst wollen nichts erklären. Sie sind Bild. Die Gegensätze
fallen zusammen. Liebe Hölle. Sie sind Frage und stoische Gewissheit.
Bewegung und Widerstand. Material und Willen. Anarchie und Alchemie. Die
totale Ruhe.
SIEBEN 100 MILLIONEN
Befände ich mich auf der Oberfläche eines Pulsars, wöge
ich 113 Milliarden Tonnen. 113 Milliarden. Eine Zahl, ganz bloß
und ohne Bezugssystem, ist wie ein Bild, wie Kunst. Ihr Wert ist nicht
messbar. Alle Zeit in einem Punkt.
Einer dreht sich gelassen ins Nichts. Unbemerkt taucht ein alter Fisch
unter seinen Füßen. Überall sind Wurzeln. Alles verschwindet,
brodelt und taucht wieder auf. Der undenkbare Zustand, bar jeder Kultur
und Prägung zu sein.
Das im Durchmesser 3,10 Meter große Tondo aus blau grauem Acrylharz
steht trotz seiner Größe auch in Beziehung zu Broschen und
Kameen. Kameen wurden meist zu Ehren von jemandem hergestellt.
Stella Hamberg, April 2008
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