Gruppe
mit vier "cluster"-Arbeiten:
cluster 53, 18 x 17 x 17 cm / cluster 71 a, 19 x 17 x 20 cm /
cluster 71 b, 20 x 22 x 18 cm / cluster 130, 28 x 24 x 20 cm,
alle Arbeiten: Neusilber, 2008
Auflage: 5 |
|
Der Begriff 'tired light' - 'müdes Licht' -, den Carsten Nicolai
als Titel für seine Ausstellung in der Galerie EIGEN + ART Berlin
gewählt hat, stammt aus der Kosmologie und bezeichnet eine mögliche
Theorie zur Erklärung der Entstehung des Universums, basierend auf
dem Phänomen der Rotverschiebung von Licht.
Neben der von Edwin Hubble entwickelten Theorie der Rotverschiebung, welche
die Urknalltheorie anregte, bot unter anderem Fritz Zwicky im Jahr 1929
eine alternative Deutung dieses Lichtphänomens an. Demzufolge verliert
Licht proportional zu der zurückgelegten Entfernung Energie - es
’ermüdet'. Im Zuge der allgemeinen Relativitätstheorie
wurde die Theorie der Lichtermüdung inzwischen zu Gunsten der Expansion
der Raumzeit aufgegeben. Die Auseinandersetzung Carsten Nicolais mit dem
Phänomen der 'Lichtermüdung' war die Folge eines Treffens mit
dem Wissenschaftler Otto E. Rössler. Dieser arbeitet weiterhin an
der Theorie, da sie auf ihn ob ihrer Einfachheit eine große Faszination
ausübt und interessante philosophische Implikationen birgt.
Die Arbeiten der seit 2007 entstandenen Serie ’tired light' von
Carsten Nicolai greifen auf die Erklärung der Rotverschiebung von
Licht durch die Theorie der 'Lichtermüdung' zurück. Die Bildtafeln
sind jedoch keine wörtlichen Auseinandersetzungen mit dem Begriff
des 'müden Lichts', sondern bilden in der Modulation von gelben Oberflächen
einen eher ästhetischen Blick auf das Phänomen. Sie ermöglichen
einen künstlerischen Ausblick auf die Frage nach Modellen und ihrer
Bedeutung bei der Erklärung der Welt, wobei es Carsten Nicolai weniger
um eine Visualisierung der Theorie der ’Lichtermüdung' geht.
Vielmehr wird die Poesie des Begriffes erweitert und die Rotverschiebung
des Lichts als Wahrnehmungsproblem künstlerisch untersucht. Carsten
Nicolai verklärt die Theorie der 'Lichtermüdung' und hinterfragt
die Faszination für die Farben des Lichtes.
Die Skulpturserie 'cluster' aus dem Jahr 2008 bezieht sich auf ein Experiment
des amerikanischen Architekten Buckminster Fuller, das sich mit der Packung
von Kugeln im Raum - der so genannten Keplerschen Vermutung - beschäftigt.
Dabei geht es um die maximale Dichte verschieden angeordneter dreidimensionaler
Schichtungen von Kugeln.
Den davon abgeleiteten, von Nicolai in Neusilber gegossenen Skulpturen,
liegt entsprechend ein einfaches Konstruktionsprinzip zu Grunde _- mit
Tischtennisbällen gefüllte Ballons reflektieren den Versuchsaufbau.
Bestimmt wird die äußere Gestalt der entstehenden Skulpturen
durch die Formation der Bälle im Inneren, die je nach Krafteinwirkung
von außen eine große Anzahl von Formvariationen ermöglicht.
Carsten Nicolai geht es bei dieser Arbeit weniger um das äußerliche
Ergebnis der entstehenden Skulpturen, sondern vor allem um das angewendete
Konstruktionsprinzip mit seinem gestalterischen Potential.
Der Rahmen für die Ausstellung wird geschaffen durch eine 'tired
light box', welche rotes Licht emittiert und den gesamten Raum in eine
Atmosphäre hüllt und somit die beiden klassischen Medien Skulptur
und Tafelbild in einer Rauminstallation vereinigt.
|