Revolution-Fleamarket
Eine Diskussion in einem coffee shop führte zu der Feststellung, dass
Wörter wie „Revolutionär“ und „Genie“
längst von ihrer ursprünglichen Bedeutung gelöst sind.
Sie wurden verramscht. Jeder ist „genial“, wenn er etwas irgendwie
gut macht und jedes technisches Gerät ist eine „Revolution“.
In unserem Alltag wird uns immer wieder etwas verkauft, das nicht das
ist, was es zu sein scheint. Geben wir uns eher mit der Verpackung als
mit dem Inhalt zufrieden? Diese Frage geht über das Konzept der „Revolution“
hinaus zu beinahe jeder kulturellen, ideologischen Thematik. Subversive
Gedanken, die von dem Konzept vom „Underground“ ausgingen,
waren bisher von hohem Wert. Heute hingegen ist es so, dass wenn man nicht
die populären, massenwirksamen Unterhaltungsmedien bedient und ein
Buch innerhalb eines Jahres nach Erscheinen zum Bestseller wird, die eigene
Vision zu scheitern droht.
Der Name „Revolution Fleamarket“ spielt darauf an, dass wir
die substanziellen Dinge noch immer aufstöbern müssen und wollen.
Sie werden nicht auf einem Tablett serviert oder erscheinen in einer Top-10-Liste.
Am Beginn dieser Ausstellung stand die Frage, wie viel Revolution man
innerhalb eines eingegrenzten Zeitraumes sammeln kann. Und wie sie aussieht.
Wir versuchten die Revolution zu kaufen. Das ist es, was wir bekamen.
Christine Hill
Berlin, März 2008
„Die Revolution ist kein Apfel, der vom Baum fällt, wenn er
reif ist. Man muss sie zum Fallen bringen.“
– Ernesto *Che* Guevara
Ideen und Vorschläge zur Erweiterung des „Revolution Fleamarket“
bitte an
revolution@volksboutique.org
Arbeiten in der Ausstellung:
Revolution Fleamarket
Inventar von Produkten, die „Revolution verkaufen“;
präsentiert auf einem roten Handkarren, der einen Straßenstand
nachahmt.
Made by Volksboutique. 2008
Revolution Fleamarket Zeichnungen
Eine Serie von Bildern, die sich auf die Ergebnisse einer Internet-Recherche
nach „Revolution“ bezieht.
Made by Hand in der Volksboutique Werkstatt. 2008
Vielen Dank an Hannah Leonie Prinzler und Felix Sattler für ihre
ausserordentliche Unterstützung in allen Angelegenheiten von Volksboutique.
Über die Künstlerin:
Christine Hill ist Inhaberin der Volksboutique, deren Werkstatt sich im
Prenzlauer Berg, Berlin und in Greenpoint, Brooklyn befindet. Volksboutique
befasst sich mit Wertkonzepten in unserer Kultur und füllt überkommene
Gegenstände wieder mit Bedeutung und Nutzen. Das Projekt zielt darauf
ab, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf spezifische Objekte und Ereignisse
im Leben zu lenken, die als zu alltäglich oder gewöhnlich übersehen
werden. Ihr Interesse ist, ausgewählte Gebiete zu definieren, in
denen Kunst gelebt werden kann. Als eine Art Hobby-Archivarin und Bibliothekarin,
erstellt sie Inventare bestimmter Phänomene des Alltags.
Volksboutique nahm an der von Robert Storr kuratierten Venedig Biennale
von 2007 teil. Anlässlich der Biennale wurde die mongraphische Publikation
„Minutes – Work by Christine Hill“ veröffentlicht.
Herausgegeben wurde sie von Hatje/Cantz, gestaltet von Markus Dreßen
und begleitet von Texten von Christine Hill und einem Essay von Rick Moody.
Neue Arbeiten von Christine Hill und Volksboutique sind zu sehen: Contemporary
Museum Baltimore (Mai 2008); Ronald Feldman Fine Arts, New York (Oktober
2008); The Art Institue of Chicago (Mai 2009).
Christine ist Professorin für Moden und öffentliche Erscheinungsbilder
an der Bauhaus Universität Weimar. Ihre Studenten haben einige der
„Organizational Ventures“ von Volksboutique mit entworfen.
weitere Informationen auf www.volksboutique.org |