| Aufblende
Im Hotel.
Zimmer 301 ...
Explosionen und Geiselnahmen. Der Fernsehapparat steht in der Zimmerecke.
Er erhellt schwach den Raum*, die Möbel, den Schrank rechts, gegenüber
den Sessel, seitlich das Bett und nah am Fenster eine Stehlampe.
Die Zigarette in der Hand schiebt er die Gardine zur Seite. Der Stoff
ist vergilbt vom Rauch.
Die Fensterscheiben sind vom Regen nass. Man sieht alles verschwommen.
Eine Taube fliegt auf den Fenstervorsprung und bleibt aufgeplustert sitzen.
Wasserperlen tropfen vom grauen Gefieder. Er schaut die Taube an. Die
Taube schaut ihn an. Beide rühren sich nicht.
Kameraschwenk / Musik setzt ein
Die Stimme Barry Manilows. Sie liegt auf dem Bett. Aus dem Radiowecker
neben ihr kommt leise Musik.
Zusammen geknäult, zu einem großen Haufen, vor ihm, auf dem
Boden, neben dem Bett, liegt ihr Morgenmantel. Er ist blassrosa, aus rauem
Frottierstoff mit einem hellroten Rosenmuster.**
Im Zimmer, 22.05 Uhr ...
Weggehen, einfach weggehen. Der Gedanke ist einfach. Noch zehn Sekunden.
Es geht weiter. Noch sieben Sekunden. Er macht das Fenster auf, sieht
sich die Höhe an. Könnte klappen. Noch fünf Sekunden. Er
geht zum anderen Ende des Raumes. Noch drei Sekunden. Er nimmt Anlauf.
In Gedanken. Drei Stockwerke. Das sind sieben Meter. Sieben Meter reichen
nicht. Im Aschenbecher häufen sich die Kippen. Er rührt sich
nicht. Alles geht weiter.
* Das Hotelzimmer ist überheizt.
** Ein mattes, fast farbloses Gelb ist ihre Lieblingsfarbe. |